Schüler bauen weltweit Brücken

Der Beitrag von “Wortspiel” zur Förderung der deutschen Sprache und Kultur an der DSK

Als besonders gelungenen Beitrag zur Förderung der deutschen Sprache und Kultur an der DSK möchten wir die Veranstaltungen des Kreativworkshops „Wortspiel“ vorstellen.

Eine Gruppe aus vier Kulturschaffenden kam zu uns nach Kapstadt an die Schule, um mit Schülerinnen und Schülern der 9.-12. Klassen Workshops zu den Themen Song-Writing, im Poetry-Slamming und Impro-Theater durchzuführen. Der Zeitumfang betrug einen Schultag (07:55-14:25 Uhr). Als Ergebnis war geplant, dass die Schülerinnen und Schüler mithilfe der deutschen Sprache kreative Produkte in diesen drei Bereichen erzeugen, die sie dann am folgenden Tag der Schulgemeinschaft auf der Bühne präsentieren sollten. Wichtig war uns dabei, dass sowohl muttersprachliche als auch fremdsprachliche Schülerinnen und Schüler an den Aktivitäten teilnehmen und die Freude an der Auseinandersetzung mit der deutschen Sprache höchste Priorität hat. Deshalb wurde darauf geachtet, dass zunächst mit einfachen Sprachübungen während der Workshops begonnen wurde und das gelegentliche Ausweichen auf englische Begriffe nicht sanktioniert wurde. Außerdem stand der kreative Prozess der Heranwachsenden im Mittelpunkt. Lehrerinnen und Lehrer konnten an den Workshops teilnehmen und so Ideen und Methoden für ihren Unterricht erfahren und gleich ausprobieren.

Zusätzlich trat abends die Gruppe dann vor den Schülern, Lehrern und Elternschaft der Schule mit ihrem Programm „Wortspiel“ auf, das aus besinnlichen Slam-Texten, hinreißenden Songs und witzigen Impro-Theatereinlagen bestand.

Die mehrstündige Präsentation der Schüler überraschte und begeisterte uns sehr, da wir es nicht für möglich gehalten hatten, dass in so kurzer Zeit derart beeindruckende Kreativprodukte sowohl von Mutter- als auch Fremdsprachlern gemeinsam erzeugt worden sind.

Ermöglicht wurde der Besuch der Gruppe durch die Organisation und Finanzierung durch das Goethe-Institut Johannesburg, welches ebenso Veranstaltungen an anderen deutschen Schulen mit der Gruppe unterstützte und sie außerdem zur Deutschlehrertagung nach Stellenbosch einlud, damit auch die Deutschlehrenden im südlichen Afrika sich über die Möglichkeiten der kreativen Auseinandersetzung mit der deutschen Sprache informieren konnten. Wir empfanden die Kooperation mit dem Goethe-Instut für alle Beteiligten als sehr fruchtbar.

Als unmittelbare Nachwirkung des Workshops sind wir sehr stolz, dass zwei Schülerinnen unserer Klasse 11 den Poetry-Slam der Deutschfakultät der Universität Stellenbosch gewonnen haben und ihren Beitrag beim Empfang des Botschafters der Bundesrepublik Deutschland in Kapstadt vortragen konnten und großes Lob dafür erhielten. Außerdem profitierte unser Musicalprojekt „Siddhartha“ von den Übungen und Erfahrungen, die unsere Schülerinnen und Schüler machen konnten.

Wortspiel an der DSK
Vier junge Männer machen Quatsch mit Sprache und stecken eine ganze Schule damit an. Ist das pädagogisch wertvoll?
Ein eindeutiges Ja erschallt aus den Kehlen der Schülerinnen und Schüler der Deutschen Internationalen Schule Kapstadt, die an drei Workshops des Quartetts „Wortspiel“ teilgenommen haben. Sowohl Muttersprachler als auch DaF-Lerner der Jahrgänge 9-12 konnten sich am 18.04. im Song-Writing, von dem Liedtexter Fabian von Wege geleitet, im Poetry-Slamming, kreativ begleitet vom Poetry-Slammer Mitch Miller und im Impro-Theater, angeleitet von Juergen Boese und Jan Mattenheimer ausprobieren.
Wenn man als Beobachter in die Workshops hineinschnupperte, hörte man viel Gelächter, sah Bands proben und ahnte den Rauch aus den Köpfen steigen. Dabei fiel gar nicht auf, wer schon von klein auf die deutsche Sprache spricht oder sie erst später gelernt hat, alle sind dabei und bringen sich mit ihren kreativen Ideen ein. Dabei gelingt es den Vieren von „Wortspiel“ die Schüler immer wieder zu motivieren sich auch in überraschenden Situationen zu bewähren und mit anscheinend verrückten Ideen auseinanderzusetzen. Auch wenn den Jugendlichen hin und wieder mal ein englisches Wort herausflutscht, dreht es sich um die deutsche Sprache, die musikalisch-textlich, poetisch und theatralisch im Mittelpunkt steht. Wenn einem das richtige Wort nicht einfällt, dann werden auch schon mal die Hände und Füße benutzt, um sich auszudrücken. Und es macht riesengroßen Spaß mit ihr zu experimentieren, Blödsinn auszudenken oder einfach seine tiefen Empfindungen auszudrücken.
Am Abend zeigte sich die Freude der Vier am Spielen mit der deutschen Sprache am eindrücklichsten in ihrer „Wortspiel-Show“. Besinnliche Slam-Texte wechselten sich ab mit hinreißenden Songs und witzigen Impro-Theatereinlagen. Als Zugabe wurde spontan eine Hymne auf die Schule komponiert, https://youtu.be/8ismvX9ILiU.
Gespannt erwarteten wir die Schülerpräsentationen am nächsten Tag, die in der Aula vor den Mitschülern dargeboten wurden. Wir waren überrascht, was in der kurzen Zeit eines Schulvormittags an kreativen, witzigen aber auch nachdenklichen Musikstücken, Slam-Texten und improvisierten Theaterszenen zum Vorschein kam. Die Zeit verging wie im Fluge. Beim Hinausgehen hatten die Schüler noch die Songtexte auf den Lippen und ein Grinsen im Gesicht.
Ja, das Konzept von „Wortspiel“ ist aufgegangen: Jugendliche mit dem Facettenreichtum der spannenden deutschen Sprache zu infizieren und dabei ihre Potentiale zu wecken.
Wann kommt ihr wieder nach Kapstadt?
Wir bedanken uns beim Goethe-Institut Johannesburg (Kirsten Mbohwa-Pagels), das diese Veranstaltung ermöglicht hat.
Jan Schumann (Fachleitung Deutsch)


Autorenlesung

Wieder einmal hat der bekannte und sehr engagierte Autor Lutz van Dijk in der gestrigen Lesung für unsere Schüler der Kl. 8 und 9 gezeigt, dass man mit Offenheit, Mut zum Zupacken, Freude und Herzwärme viel Positives erreichen kann. Er hat aus seinen Jugendbüchern, die u.a. reale Schicksale von HIV-erkrankten Jugendlichen in Südafrika thematisieren, vorgelesen. Danke, Lutz, dass du auf deine  Art und Weise unsere Schüler nicht nur zum Lesen, sondern auch zum Nachdenken motivieren kannst


Deutscher Poetry Slam in Stellenbosch

Unsere beiden Schülerinnen Karen Rebeski und Paula Freers aus der 11b haben den 5. Deutschen Poetry Slam „Wundertüte-Wörterwege“ an der Universität Stellenbosch am 17. August gewonnen. Mit gleich zwei starken Stücken „Bin ich?“ und „Das Muss muss gar nichts müssen“ beeindruckten sie die Jury und das Publikum. Unsere ehemalige Schülerin Daniela Schnabel wurde Zweite. Wir gratulieren allen ganz herzlich! Hier der Text zu „Das Muss muss gar nichts müssen“; zum Nachdenken anregende Worte über die gesellschaftlichen Herausforderungen, denen sich Mädchen und Frauen heutzutage stellen müssen (oder auch nicht).


Poetry Slammer Fabian Navarro besucht die DSK

Der Poetry Slammer Fabian Navarro führte in einem Slamming Workshop einige Schüler der 9.-11. Klasse in die Kunst des Poetry Slammens ein. Anschließend fand eine Darbietung der Gewinner des Poetry Slams 2017 in Stellenbosch (Karen Rebeski and Paula Freers) sowie von Fabian selbst im oberen Amphitheater statt, die die Schüler der 5.-12. Klasse begeisterte. Eine „Open Mic“ Runde am Ende der Darbietung brachte schließlich noch unentdeckte Talente hervor. Was für ein toller Wochenabschluss, vielen Dank den Slammern und Fabian Navarro!


DSK Musical Siddhartha – ein gemeinschaftliches Meisterwerk

Nach vielen Jahren ohne Musical an der Deutschen Internationalen Schule Kapstadt (DSK) hat die Vision des Musiklehrers David Patrick die Bühne mit der Aufführung von „Siddhartha“ wieder zum Leben erweckt. Angelehnt an den Roman des deutschen Nobelpreisträgers Hermann Hesse, erzählt Siddhartha die Geschichte eines jungen Mannes, der sein Leben lang auf der Suche nach dem Sinn des Lebens, der Erkenntnis und dem Nirwana ist. Ein nicht einfaches Stück, das David Patrick mit eigens komponierter Musik geschickt und auf kreative Weise umzusetzen verstand. Das Resultat war ein fantastisches Gemeinschaftswerk von deutsch- und englischsprachigen Schülern aus den Klassen 1-12, verschiedenen Lehrern und Eltern.
Die Premiere am 31. Juli war mit über 330 Besuchern bis auf wenige Sitze ausverkauft. Spannung lag in der Luft als der Vorhang um 19:00h aufging, hatte die Besetzung doch noch am Vormittag an den allerletzten Details gefeilt. Eine gehörige Portion Aufregung gehört bei jeder erfolgreichen Produktion dazu und am Ende war es toll zu sehen, wie alle Puzzleteile zusammenpassten. Die jungen Schauspieler wuchsen auf der Bühne über sich hinaus und strahlten nur so vor Energie und Adrenalin.
Bedeutungsvolle Botschaften in aussagekräftigen Dialogen und Songs wurden mit einer modernen Sichtweise und Humor präsentiert. Da alle Erzählungen auf Deutsch und alle Dialoge sowie Lieder auf Englisch waren, konnte das mehrsprachige Publikum dem Geschehen gut folgen. Die jungen Schauspieler gaben an drei aufeinanderfolgenden Abenden und einer Vormittagsvorstellung vor stolzen Eltern, Freunden und Schulkameraden ihr Bestes. Es hat den Schülern einiges abverlangt, aber die harte Arbeit des letzten Jahres hatte sich gelohnt: Am Ende riss es bei jeder Vorstellung das Publikum von den Stühlen und die Leistung aller Mitwirkenden wurde stürmisch applaudiert.
Leider mussten wir uns nach der letzten Vorstellung vom engagierten Musiklehrer David Patrick verabschieden, der in England eine neue berufliche Herausforderung antritt. Siddhartha war nicht das erste Musical für David Patrick – allerdings zum ersten Mal in diesem Rahmen und mit Schülern „Ich freue mich riesig über das Talent und die Kreativität der Schüler an der DSK – die sind unglaublich“, meinte David Patrick stolz. „Da ‚Siddhartha‘ eine Workshop Produktion gewesen ist, mussten wir ziemlich viele Hürden bewältigen. Aber alle – von Schülern, über Lehrer bis hin zu den Eltern- haben mit angefasst. Ohne sie wäre das alles nicht möglich gewesen. Herzlichen Dank an alle!“
Obwohl David Patrick die treibende Kraft hinter der Produktion war, muss ein besonderer Dank an alle gehen, ohne die das Musical nicht möglich gewesen wäre:
Anke Wolfram, Michaela Fernandez, Doris Engelhard und ihre Grade 9 Drama Schüler für Drehbucharbeit; Ingrid Lamprecht, Marianne Skinner, Lizl Brand, Thomas Kröner, Simon Mcloughlin, David Rowley und Simone Friess für den fantastischen Bühnenbau. Die Musical AG wurde von David Patrick geleitet – in Zusammenarbeit mit der Schauspielerin und DSK Mutter Heike Brunner, sowie der Referendarin Ilze Roussow, die David als professionelle Regieassistenz zur Seite standen. Die Schülerband sorgte für tolle musikalische Begleitung des Musicals und der Junior-Chor und Senior Chor begleitete das Ensemble bei einigen Liedern auf der Bühne. Es gibt immer unzählige helfende Hände im Hintergrund, denen wir unendlich dankbar sind!
Inspiriert vom großen Erfolg von Siddhartha wird sich die DSK in Zukunft hoffentlich über weitere musikalische Produktionen freuen können. Frei nach Hermann Hesse: „Man muss das Unmögliche versuchen, um das Mögliche zu erreichen.“

http://www.bva.bund.de/SharedDocs/Kurzmeldungen/DE/ZfA/Aktuelles/2017/170818_DSK_Siddhartha_Musical.html


WHAM BAM! Poetry Slam!

Beim 8. DSK Poetry Slam am 9. und 10. Mai sind die Wortgiganten wieder gegeneinander angetreten. DaM- und DaFler haben wortgewaltige Texte auf die Bühne gebracht bis das Mikro glühte.
Slam Dank der Jury, den Deutschkollegen, Andrea Schmidt von der Buchhandlung Naumann und vor allem den wortstarken Schülern!
Herzlichen Glückwunsch den stolzen Gewinnern:
Grade 5/6
DaF:  Belinda Hale, Annina Jenny, Lathi-Tha Nombutuma  (5d)
1.     Nicola Scherner  (6c)
2.     Yannick Fellner  (5b)
3.     Mo Gachago & Caspar Augustin  (6a)
Grade 7/8
DaF: Lisakhanya Booysen & Siyamthanda Qali (7c)
1.     Torben Rebeski (8a)
2.     Anthony Rivett & Aiyel Brombacher (8a)
3.     Platz: Leonardo Beukes & Mira Elmau (8b)
Grade 9/10
DaF:  Emma Kubach  (10d)
1.     Josua Wenzel  (9b)
2.     
Robin Zimmer  (9b)
3.     Alexander Hänel & Leif Schulz (9a) 


Kirsten Boie liest an der DSK

Auch wenn sie als Kind ihren Bruder mit Süßigkeiten bestechen musste, damit er ihren Geschichten zuhört, hat es sie nicht abgehalten, eines Tages Kinder- und Jugendbücher zu schreiben: Kirsten Boie, eine der bekanntesten Kinder- und Jugendbuchautoren Deutschlands besuchte uns vom 09.-10. Februar 2017. Vielen ist sie bekannt durch ihre Werke wie Ritter Trenk, Juli, Wir Kinder vom Möwenweg und Nicht Chicago, nicht hier.
Schülerinnen und Schüler von der 1. bis zur 8. Klasse freuten sich riesig der begnadeten Autorin beim Lesen aus ihren neusten Werken zuzuhören und im Anschluss ihr noch Löcher in den Bauch zu fragen. Sie erfuhren spannende Details über die Arbeit einer Schriftstellerin und über die Veröffentlichung von Büchern.
Bei der Lesung der 1. und 2. Klassen konnte das Meerschweinchen aus dem Buch King-Kong und das Geheimschwein seine hellseherischen Fähigkeiten unter Beweis stellen. Die 5. und 6. Klassen erfuhren in ihrer Lesung über den Detektiv und Gentelman Thabo, dass er spannende Kriminalfälle in Swasiland löst. Dieser Ort ist von Kirsten Boie nicht zufällig gewählt, da sie sich dort durch ihreMöwenweg-Stiftung in einem AIDS-Waisenprojekt engagiert. Viele Kinder waren von der Begegnung mit Kirsten Boje begeistert und möchten weitere Bücher von ihr lesen.
Wir danken recht herzlich dem Generalkonsulat der Bundesrepublik Deutschland in Kapstadt, dem Oetinger-Verlag und der Buchhandlung Naumann, die alle diese Veranstaltungen an der DSK ermöglicht haben.
Jan Schumann, Fachleitung Deutsch als Muttersprache


Werther! – Das ist Sturm und Drang!

Alte Texte von Goethe locken Jugendliche kaum noch hinter dem Ofen hervor. Zu schwer zu verstehen sei der Text, zu alt, zu weit weg von unserer Lebenswirklichkeit, sagen sie.

Das dem nicht so ist, zeigte uns der aus Film und Fernsehen („Vorstadtweiber“; „Polizeiruf 110“, „Tatort“) bekannte Schauspieler Philipp Hochmair am 25.10.17 den Schülerinnen und Schülern des deutschen und englischen Zweiges der 9-11 Klassen.

Vor ca. zwanzig Jahren machte er sich daran in den „alten“ Briefroman von Goethes „Die Leiden des jungen Werther“ (1774) wieder Leben einzuhauchen, indem er ein ca. 70-minütiges Bühnenstück schuf. Heraus gekommen ist eine Achterbahn der Gefühle, die der junge Werther bei seinem Versuch durchlebt , die leider schon vergebene Lotte für sich zu gewinnen. Einmal ist er von überschäumender Freude erfüllt, springt auf Tische, ein anderes Mal ist er am Boden zerstört, und weint bitterlich. Dann wiederum ist er „ganz närrisch“, reißt zotige Witze, und dann ist er wieder bitter ernst und will sich erschießen. Immer wieder erklingen die wortgewaltigen Sätze, die Hochmair aus dem Roman rezitiert und die in den Ohren hängen bleiben, gepaart mit saftigen Beats oder melancholischer Elektromusik.

Der Schluss ist zwar traurig und die Bühne gleicht einem Schlachtfeld übersät mit Blumen, Scherben und Boerewors, doch brandete dem Schauspieler tosender Applaus von den begeisterten Schülern entgegen. „Endlich habe ich Werther verstanden“, hört man beim Hinausgehen eine Schülerin sagen.

Wie wichtig ihm das Schauspiel vor jungem Publikum ist, bewies Philipp Hochmair im Anschluss der Veranstaltung, wo er den Schülerinnen und Schülern ausführlich Rede und Antwort stand.

Wir danken Philipp Hochmayr für diesen furiosen Auftritt und dem Generalkonsulat der Bundesrepublik Deutschland, das diese Veranstaltung ermöglicht hat. Nicht zuletzt sei Felix Zundel für die Unterstützung bei Ton und Technik gedankt. Jan Schumann, Fachleitung Deutsch als Muttersprache


Schreibwettbewerb 2017
Thema: „Mein Stadtviertel“ 

Schreibe eine Geschichte, einen Krimi, einen Mythos, eine Legende, eine Anekdote, ein Essay, einen Erlebnisbericht… über den Ort, an dem du lebst!
Wie war es, als deine Großeltern vor 60 Jahren nach Kapstadt zogen? Warum sind die Häuser in Bo Kaap bunt? Wie war es, als in den Kneipen von District Six noch Jazz gespielt wurde? Wie ist es am Sonntag im Seapoint Swimmingpool? Wie riecht die Luft im Winter? Wer hat den Table Mountain erbaut?
Erzähle uns Geschichten aus Tamboerskloof, Khayelitsha, Langa, Hout Bay, Gardens, Table View, Belleville, Seapoint…..
Sie können wahr, aber auch erfunden sein. Sie können aus dem 21. Jahrhundert sein oder in längst vergangenen Zeiten spielen. 


So lautete der Arbeitsauftrag für den diesjährigen Schreibwettbewerb an der DSK. Teilgenommen haben etwa 60 Schülerinnen und Schüler aller Jahrgangsstufen.
Die Ergebnisse hätten unterschiedlicher nicht sein können.
Einige schrieben eine nüchterne Dokumentation, andere eine Krimigeschichte, wieder anderen ist es gelungen, ganz lebensnah ihren Alltag in ihrem Viertel einzufangen. Mal mit einem ironischen, mal mit einem ernsthaften Blick auf die Wirklichkeit.
Drei Gewinner in dem Fach Deutsch als Fremdsprache wurden mit jeweils einem Buchgutschein im Wert von 300 Rand belohnt:
Pippa Comrie, 6d, mit der Geschichte „Ziegen-Eskapade in Tamboerskloof“. Eine wahre Geschichte darüber, wie mitten in einem Wohnviertel in Tamboerskloof plötzlich Ziegen und ein Pferd auf der Straße stehen.
Julian Johnson-Barker, 11c, erzählt über einen ganz gewöhnlichen Strandtag in Llandudno.
Von Susanna Carlos,11d, erfahren wir, wie es ist, in „Muizenberg“ zu leben.
Sie erzählt von den Menschen, die dort wohnen, von der Stimmung in „ihrem“ Stadtteil.
Vier Preise wurden im Fach Deutsch als Muttersprache vergeben. Der Preis im Wert von 300 Rand für die Jahrgangsstufen 7-9 teilen sich David Spechtler und Maiwenn von Blottnitz.
Luca Kirmse, 6c, schreibt eine Geschichte aus der Perspektive eines Kindes, das den Brand in Imizamo Yetu, der vor etwa einem halben Jahr das Township verwüstete, nur knapp überlebt hat.
David Spechtler, 8b, der „Weltuntergangsszenarien“ besonders mag, lässt Hout Bay in einem „Inferno“ untergehen.
Maiwenn von Blottnitz, 9a, nimmt die Perspektive eines „Hühnerknochen“-liebenden Hundes ein. Dieser Vierbeiner kennt sein Stadtviertel „Woodstock“ ganz genau.
Karen Rebeski, 11b, schreibt einen fiktiven Text über Alltagsrassismus in ihrem Stadtviertel.  Die Ich-Erzähler ihres Textes fühlt sich in ihrem Zuhause nicht mehr zuhause.
Barbara Flemming

Die ironische „Reportage“ von Dominik Schwab, 11b, hat zwar keinen der Hauptpreise gewonnen, verdient aber eine lobende Erwähnung.
„Am 25.5.2017 entstand zwischen drei Uhr und fünf Uhr morgens ein Tornado in Tamboerskloof.
Anscheinend waren auch andere Kapstädter Stadtviertel betroffen, aber nirgendwo war der Schaden so groß wie in Tamboerskloof.
Augenzeugen berichten, dass fünf Mülltonnen umgefallen sind und dass eine Hundehütte zerstört wurde. Aufgrund der großen Menge Schaulustiger konnten die Rettungskräfte noch nicht eintreffen.“

Muizenberg

Ich flitze die Treppen unseres Apartmenthauses hinunter und treffe auf Noxi, eine Nachbarin die unter uns wohnt. Wir sagen hallo und lachen wie immer über irgendetwas Komisches, was sie gesagt hat. Dann geht’s zusammen zu Checkers, denn Noxi hat auch keine Milch im Kühlschrank mehr.

Auf dem Weg zu Checkers treffen wir viele Bekannte – über das Wetter, die Familie und die Arbeit wird immer angenehm geplaudert. Im Supermarkt ist es auch nicht anders. Andauernd treffen wir jemanden, den entweder einer von uns oder beide kennen. Die Kassiererinnen lächeln und lachen mich ein bisschen aus, „Bist du schon wieder zurück?“, fragen sie dann. „Ja, ich hab halt vergessen, die Milch zu kaufen,“ antworte ich und rolle mit den Augen.

Auf dem Rückweg geht’s dann noch in die Bücherei, denn es ist Wochenende und wir wollen ein paar neue Filme sehen. Danach spendiert Noxi mir noch eine Eiscreme, die es direkt um die Ecke vor der Bücherei im Empire Cafe gibt. Es ist ein heißer Tag, aber die kühle, erfrischende Brise, die immer in Muizenberg weht, hält uns kühl, und die Eiscreme ist himmlisch.

Das ist Muizenberg – das ist mein Zuhause. Ich atme die salzige Luft gierig ein, ich kann nie genug davon kriegen. Dieses ganze Viertel trieft für mich vor Erinnerungen. Erinnerungen von alten Freundschaften, Sachen, die hier passiert sind und halt all das, was ich hier erlebt habe und wie Muizenberg meine Veränderung von einem kleinen, lauten, unglücklichen Achtklässler zu einem zufriedenen, aufgeregten Elftklässler begleitet hat.

Es sind viele wunderschöne hellblaue, klare Erinnerungen dabei, so wie der Muizenberghimmel im Sommer, aber auch dunkelgraue, verschwommene, düstere Erinnerungen wie der Himmel im Winter.

Ich gehöre hier hin, ich fühle mich hier zu Hause – Muizenberg am Meer; Muizenberg mit all den kleinen süßen Lädchen und Restaurants; Muizenberg mit dem Freitagsmarkt, der die besten Falaffeln der Welt verkauft; aber auch Muizenberg, wo meiner Freundin ihr Handy und mir mein Tablet gestohlen wurde; Muizenberg, wo ein paar Kinder einen Zug in Brand gesetzt haben; Muizenberg, wo viele Leute so arm sind, dass sie auf der Strasse leben müssen.

Das alles ist Muizenberg. Das schöne und das unschöne. Das glückliche und das unglückliche. Mein Zuhause ist keine Überfallschlagzeile oder eine Touristenfantasie – es ist halt so wie es ist, und so nehm ich es an.
Susanna Carlos, 11d

Hout Bay Inferno

Angefangen hat es mit einem grellen Blitz, der sich über den gesamten Horizont erstreckte. Danach wurde der ganze Himmel so hell erleuchtet, dass man nicht einmal etwas mit Sonnenbrillen hätte erkennen können. Kurz darauf zerriss ein ohrenbetäubender Knall die Stille der Nacht. Es war eine Nacht die ich, Tony Brisdan, nie vergessen werde!

Alles startete mit einer leichten Brise, die, wie man sich vorstellen kann, angenehm sein sollte. Nur so war es eben nicht. Die vermeintliche Brise entwickelte sich nach ein paar Minuten zu einem regelrechten Orkan, der ganze Bäume ausriss und durch die Nacht wirbelte. Was nun kommen würde, kann sich ein jeder ja vorstellen: riesige Flutwellen – versursacht durch ein Erdbeben – die auf eine Stadt zurollen. Fast einen Kilometer hohe Wassermassen, die eine ganze Provinz oder sogar ein ganzes Land unter sich begraben können, rollen auf einen zu.

Hurrikane – enorm und massiv, gebaut aus Sand, Staub und Luft – rasen durch das flache Land und heben Autos einige hundert Meter hoch in die Luft empor, um sie nach einer Weile im Nirgendwo der Schwerkraft zu überlassen. Solche Dinge hätte man eigentlich auch erwartet, aber das, was sich jetzt über dem Horizont ausbreitete, war mit nichts zu vergleichen. Nicht einmal in den brutalsten Science Fiction Romanen kann man so etwas erleben.

Grau-grüne Wolken zogen auf und verdeckten die einst so schön leuchtenden Sterne am Nachthimmel. Die Umgebung wurde schlagartig in ein fluoreszierendes, gelbliches Licht getaucht, das man nur für ein paar Sekunden anschauen konnte, um gleich darauf davon geblendet zu werden. Ich machte, dass ich so schnell wie möglich ins Haus kommen konnte, um kurz danach in „Sicherheit“ mitzuerleben müssen, wie die Welt vor meinen Augen im wahrsten Sinne des Wortes ausradiert wurde. Dieses Spektakel beobachtete ich hinter eine dünnen und mit Erde verdreckten Glasscheibe, die mich zum Glück vor dem aller Gröbsten zu schützen vermochte. Ich sah wie, angefangen von faustgroßen Steinen und Ziegeln, bis hin zu halben Garagen und Dächern, wie diese in der aufgewirbelten Luft herum-flogen.

Funken und Metallsplitter zerschnitten mit knisternden und zischenden Geräuschen die so gemein schöne Weltuntergangsatmosphäre. Autos und Busse explodierten, als sie auf dem Karbonkelberg einschlugen und ihre Karosserieteile wurden wahllos umher geschleudert, wie Kleinkinder, wenn sie mit Parmesan spielen. Sogar ganze Schiffe wurden aus dem Hout Bay Hafen bis zum Constantia-Nek getrieben. Aber dann, urplötzlich, blieb alles stehen.

Nichts bewegte sich mehr; außer mein Herz, das nun wie von der Tarantel gestochen Blut und Adrenalin durch meinen
Körper pumpte.

Dann fing alles wieder gemächlich an sich zu bewegen. Aber nicht gen Himmel wie vorher, sondern alles fiel zu Boden. Ich sah nur mehr eine Mikrowelle am fast zersplitterten Fenster vorbeirauschen. Gleich darauf wurde ich von einer nahen Explosion zu Boden gedrückt und das war’s dann.

Nach ein paar Tagen wachte ich, benommen von der Explosion, in einer vollkommen anderen Welt auf.  Ich konnte von meinem nun nicht mehr vorhandenen Haus (wie auch der Rest der Häuser) bis hinaus auf das offene Meer sehen. Dort, wo mir einst der Karbonkelberg meine Sicht versperrt hatte, sah ich nun, wie das, ich nenne es einmal salopp übertriebenes Unwetter, Kapstadt und damit auch glücklicherweise mich verließ.

Ich, der nun wahrscheinlich letzte Mensch in Hout Bay, Kapstadt und Umgebung, schrieb meine Geschichte auf die letzte Seite einer Bibel, welche dieses Horrorszenario überstanden hatte. Danach wickelte ich diese in einen Müllsack um es vor der bevorstehenden und langen Reise über den Atlantik zu schützen – einer sehr langen Reise in einer Flasche, getrieben von den Strömungen des Atlantiks.

Wer auch immer diese Botschaft erhält, möge sich sputen, denn ich habe das Gefühl, dass die beschriebene Katastrophe erst der Anfang von einem vielleicht sogar globalen Problem wird.
15. Juni 2008, ehemaliger Hout Bay Hafen, Kapstadt, Südafrika
David Spechtler, 8b 

Der Tag, an dem ich Zuhause nicht mehr zu Hause war

Ich starre auf die Schaumblasen die nach und nach unter meinen Fingerspitzen zerplatzen. Das Wasser reicht bis zum Badewannenrand und droht bei der kleinsten Bewegung das Badezimmer zu fluten. Die Tür ist nur angelehnt. Aus der Küche schallt klassische Musik herüber. Durch das geöffnete Fenster findet ausgelassenes Gelächter seinen Weg zu mir hinauf.  In Gedanken versunken hebe ich abwechselnd einen Fuß aus dem warmen Wasser. Ich lege meinen Kopf auf dem Badewannenrand ab, die zu überschwemmen drohende Wasserkante nicht aus den Augen lassend. Eine Zeit lang treibe ich so im Wasser, an nichts denkend, an die Decke starrend.  Irgendwann klingelt es an der Wohnungstür. Wütend klingende Stimmen, Fäuste die gegen die Holztür schlagen.

Ich rutsche tiefer in die Wanne, ohne dem überlaufenden Wasser die geringste Beachtung zu schenken. Unterhalb der Wasseroberfläche scheinen die rassistischen Drohungen meilenweit entfernt. Dann geben sie auf. Ich steige aus der Wanne und wickele mich betäubt in ein Handtuch. Das Wasser verschwindet mit einem leisen protestierenden Gurgeln im Abfluss. Im Wohnzimmer setze ich mich auf das ungeschliffene Parkett, direkt vor eines der großen Fenster, durch welches man von Tamboerskloof, auf die Stadt bis nach Belville schauen kann. Den Kopf gegen die Fensterscheibe gelehnt beobachte ich die unzähligen Autos, die sich ihren Weg durch die Stadt bahnen. Gedankenverloren greife ich nach Zigarette und Feuerzeug.  Ich nehme einen kräftigen Zug. Wie klein alles von hier oben aussieht. Klein und unschuldig. Man könnte beinahe meinen, dass Apartheid nur die ferne Erscheinung eines Fiebertraumes war. Nachdenklich betrachte ich den glühenden Papierstab zwischen meinen Fingern, bevor ich einen weiteren Zug nehme.  Ich hebe den Kopf bei dem Versuch, den Rauch als Ringe in die Luft zu pusten. Der Rauch wabert in der kühlen Luft, anstatt gepresst aus dem Mund in Bahnen gelenkt zu werden. Unstete Rauchkonstruktionen. Kopfschüttelnd drücke ich den jämmerlich glühenden Stummel auf dem Holzboden aus und stehe auf.  Kurz darauf verlasse ich die Wohnung. Mit dem Rad sind es weniger als 10 Minuten bis zum Dubliner. Bevor ich die Bar betrete, schätze ich mein Aussehen in einem der Schaufenster ab und seufze. Aus der Dunkelheit tritt ein Mann neben mich. Ference nimmt den Hut ab. Ich behalte die Hände in den Taschen, als er mich zum Gruß auf die Wange küsst und versuche die abwertenden Sprüche vorbeigehender weißer Paare zu ignorieren. Fleischige Hände greifen unsicher nach dem Tragriemen meiner Tasche, dann hält er, ein Meister der guten Umgangsformen, mir die Tür auf und lässt mich eintreten. An der Bar sind vereinzelt Studenten dabei, verdünnten Weißwein und Marlboro Red zu inhalieren. Lautlos schieben wir unsere Stühle zurück, ich bestelle ein Bier, er einen Kaffee, wie üblich. Unter der schmutzigen Schürze der unfreundlichen Bedienung blitzt nacktes, aufgedunsenes Fleisch hervor. Zwei krampfadernde, unförmige Waden, weiße Füße, die in dreckigen Latschen stecken, eine Hand, die lustlos ein paar Krümel vom Tisch fegt und uns einen missbilligen Blick zuwirft. Es ist deprimierend. Meine Finger spielen nervös mit der ausgeblichenen gelben Tischdecke. Wir sind die einzigen Dunkelhäutigen in der Bar. Ich fingere eine Zigarette aus der Packung. Eine Band spielt Jazz. Ference scheint meine Gedanken lesen zu können. Er zieht die glühende Zigarette aus meinen krampfenden Fingern und dirigiert den aschgrauen Rauch elegant zwischen seinen Lippen heraus. „Warum gehst du nicht auch weg?‘‘ Ich verschlucke mich an meinem Bier.  „Hast du keine Angst? „ Für einen Augenblick schweifen meine Gedanken zu den Drohungen der Männer, die am Morgen vor meiner Tür standen und zu den abwertenden Blicken, die einem auf der Straße zugeworfen werden. Dann fasse ich mich, versuche das Zittern in meiner Stimme zu überspielen und lehne mich, mit vor der Brust verschränkten Armen, zurück. ,,Vor denen, die uns Afrikaner wie Marionetten behandeln und so tun als sei der Staat eine Schallplatte, die bei dem Lied namens Rassismus einen Sprung hat?“ Ference wickelt, abwesend, mit dem Kopf nickend, die Zuckerwürfel aus und tunkt sie – einer Zeremonie gleich – in die schwarze Brühe. Dann faltet er das Papier auseinander und zündet es mit meinem Feuerzeug über dem Aschenbecher an, der Länge nach, damit es länger brennt. ,, Geh solange du noch kannst.‘‘ Damit steht er auf und verschwindet durch die Tür in die Dunkelheit.  In derselben Nacht verlässt Ference Südafrika. Seitdem sitze ich oft am Fenster, rauchend, um nachzudenken. Manchmal fallen mir andere Länder ein. Jedes Mal schaffe ich es bis zu den Mülltonnen, dann mache ich wieder kehrt. Es ist ein trauriges Spiel. Und die Welt, sie schweigt.
Karen Rebeski, 11b


Veröffentlichungen auf der ZfA Webseite

Siddhartha
http://www.bva.bund.de/SharedDocs/Kurzmeldungen/DE/ZfA/Aktuelles/2017/170818_DSK_Siddhartha_Musical.html

Wortspiel
http://www.bva.bund.de/SharedDocs/Kurzmeldungen/DE/ZfA/Aktuelles/2017/170424_Quartett_Wortspiel_Kapstadt.html;jsessionid=B0E9E1378708C0F7D16FD51002FD9C17.2_cid394?nn=4500658

Philip Hochmair (Werther)
http://www.bva.bund.de/SharedDocs/Kurzmeldungen/DE/ZfA/Aktuelles/2017/171107_DIS_Kapstadt_Werther.html?nn=4490226