Studienfahrt 2018

Donnerstag, der 7. Juni 2018. Der Tag unserer Abfahrt ist endlich gekommen, obwohl er doch so weit weg erschien. Seit dem Outeniqua Hike im März freuen sich die Mehrzahl der Elftklässler auf diese nächste Schulreise, wo wir hoffentlich wieder so schöne Erfahrungen zusammen erleben können. Doch an diesem Donnerstagmorgen begann ich auf einmal Zweifel zu bekommen. Was, wenn die Universitätsbesuche nicht interessant sind? Was, wenn wir nach zwei Tagen bereits mit unseren Mitschülern Streit haben? Immerhin standen uns 14 lange Tage als eine große Gruppe bevor. Aufgeregt und noch immer ein wenig unsicher über das, was mich erwartet, fahre ich zum Flughafen, wo bereits fast alle Schüler an dem Gate warten. Deutschland, wir kommen!

Zunächst aber mussten wir geduldig sein, denn die Reise nach München dauerte lange. Bereits im Flugzeug merkte man, dass jeder sich auf die Klassenreise freute, da das Lachen und die Gespräche der Schüler die Stimmen der anderen Fluggäste übertönte.
Nach einem Zwischenstop in Dubai und vielen Flugstunden später, waren wir dann endlich in München angekommen. Auf dem Weg zur Hostel stellt sich dann heraus, dass die lange Hinreise sich definitiv gelohnt hat. Die Sonne strahlte in unsere Gesichter und der blaue Himmel war eine gute Abwechslung, angesichts der Tatsache, dass es in Kapstadt im Juni eher kalt und ungemütlich ist.

Die meisten von uns waren ein bisschen skeptisch, was unsere Unterkünfte betraf, da keiner richtig wusste, was uns erwartet. Zu unserer Erleichterung stellte sich das A&O Hostel in München aber als eine sehr angenehme Unterkunft heraus. Es gab nämlich pro Zimmer eine Dusche und wir mussten die Zimmer mit maximal vier Freunden teilen. Nach meinem Eindruck zufolge schien jeder sehr zufrieden mit dem Zimmer sowie mit den Zimmergenossen.

Am Tag unserer Ankunft, sowie am Samstag hatten wir Freizeit und somit konnten wir unseren Tag gestalten, wie wir es wünschten. Im Großen und Ganzen hatten wir während der Studienfahrt sehr viel Freizeit, da wir meist nur halbtags die Universitäten besuchen gegangen sind. Auch dies war eine sehr angenehme Überraschung, da wir somit alle die Städte je nach Belieben entdecken konnten und für uns selbst auch herausfinden konnten, ob einer der Städte als späterer Wohnort in Frage kommen könnte. Die Professoren an den jeweiligen Universitäten gaben uns nicht nur sehr ausführliche Informationen über die Studiengänge, sondern auch über das Leben in der Stadt, also über die Höhe der Miete, Transport, Monatskarten usw.
Unser Aufenthalt in München schien jedem zu gefallen, denn der Alltag war nicht nur gefüllt mit Unibesuchen (unter anderem an der TUM, der LMU, der Filmhochschule), sondern auch mit Besuchen in Museen, im Biergarten, Schlendern durch die Parks sowie das Bummeln durch Einkaufsstraßen. Einer der Highlights unseres Münchenbesuchs war definitiv der Nachmittag an der Eisbachwelle, wo wir uns sonnen und abkühlen konnten.

Nach den drei unvergesslichen Tagen in München ging unsere Reise weiter und die Gruppe trennte sich in zwei kleinere Gruppen. Die Hälfte von uns bereitete sich am Dienstagmorgen auf die Abfahrt nach Konstanz vor, während der Rest bereits auf dem Weg nach Dresden war. Ich persönlich habe mich für Konstanz entschieden, da mir mehrmals berichtet wurde, wie schön die Stadt sei. Als wir dann abends in Konstanz ankamen, war es bereits zu dunkel, um die Stadt genauer kennen zu lernen, aber das “Aqua Hotel und Hostel” in dem wir übernachteten, erschien uns sehr vielversprechend. Es war sehr sauber, schön eingerichtet, eine große Auswahl beim Frühstück und unser Zimmer waren relativ groß, angesichts der Tatsache, dass wir nur vier Mädchen in Konstanz waren. Zudem ermöglichte uns die Einteilung in eine kleinere Gruppe das Kennenlernen von englisch sprechenden Schülern, die viele Schüler des deutschen Zweigs noch nicht so gut kannten. Ich persönlich kann behaupten, dass wir spätestens nach Konstanz wirklich als eine Gruppe zusammengewachsen sind und dass ich im Großen und Ganzen nach der Studienfahrt fast jeden aus meinem Jahrgang besser kennen gelernt habe und neue Freundschaften geschlossen habe.

Konstanz hat ein kleineres Stadtzentrum als München, aber gerade deswegen hat es einen besonderen Charme. Nach einer entspannten Stadtführung am ersten Tag, haben wir nicht nur die Stadt selbst, sondern auch den Bodensee und die Grenze zu der Schweiz gesehen. Darauf sind wir die Universität Konstanz besichtigen gegangen und haben dort auch schon erste Eindrücke von dem Gebäude und der Lage sowie von den Studiengängen bekommen. Vor allem die riesige Bibliothek an der Universität sowohl als auch die schönen bunten Lichter, die Einrichtung der Räume und die Skulpturen am Eingang bleiben mir bis heute im Gedächtnis. Da wir drei Tage in Konstanz blieben, hatten wir die Möglichkeit sehr viel von der Stadt und auch von dem, was die Stadt zu bieten hat, zu entdecken. Uns wurden zahlreiche Aktivitäten wie Kayaking, Schwimmen im Bodensee, im Hochseilgarten klettern und gemeinsam mit Studenten abends grillen angeboten. Neben diesen Aktivitäten haben wir natürlich auch täglich die Universität besucht und viele verschiedene Professoren und Kursangebote kennengelernt. Nach drei Tagen in der idyllischen Stadt mussten wir unseren Samstag im Zug verbringen, da die Reise nach Berlin fast 8 Stunden dauerte. Diese Fahrt war aber jedem recht, da wir alle erschöpft waren von unserer ersten, vollgeplanten Woche in Deutschland.

Unserer letzter Halt war Deutschlands Hauptstadt, Berlin. Meiner Meinung nach waren die fünf Tage in Berlin die besten Tage der ganzen Fahrt, vor allem weil wir wieder alle als eine Gruppe vereint waren und weil Berlin so vieles zu bieten hat. Anstatt die traditionelle Stadttour mit einem Guide, der nur über geschichtliche Fakten redet, hatten wir eine interaktive Fahrradtour durch die historische Stadt. Unser Guide war nicht nur sehr freundlich und humorvoll, sondern gab uns auch Tipps zum Entdecken der Stadt  und interessante Hintergrundinformationen zu den unzähligen Monumenten und Gedenkstätten. Nach dieser langen Fahrradtour hatten wir den ganzen Tag Zeit für uns. An diesem Nachmittag schlenderten die Mehrzahl der Mädchen durch den Mauerpark, erkundigten uns über nette Kaffees und Geschäfte und sahen den Musikern im Park während des Sonnenuntergangs zu. Dieser Sonntag stellte sich als ein sehr entspannter Tag heraus und somit war es gar nicht mal so schlimm, Montag morgens wieder früh aufzustehen, um die Humboldt Universität Berlin besuchen zu gehen. Direkt unter unserem Hostel gab es übrigens einen sehr bekannten Falafel/Dönerimbiss sowohl als auch asiatisches Essen zum Mitnehmen. Verhungern tat also definitiv keiner während des Aufenthalts.

Die restlichen Tage sind wie alle bisherigen Tage voll verplant gewesen, so dass es keine Zeit für Langweile gab. Neben den Universitätsbesuchen (TU, Humboldtuniversität, Kunstuniversitäten) war die Besichtigung des Reichstags sowie Einkaufen in den großen Geschäftsstraßen natürlich Pflicht. Jedem Schüler war es frei überlassen, wie er seine Freizeit gestaltet und das schien jedem zu gefallen. Doch obwohl es jedem in Berlin zu gefallen schien, breitete sich eine traurige Atmosphäre in unser Gruppe aus. Keiner wollte einsehen, dass unsere Klassenreise bald zum Ende kommt und dass die lang ersehnte Reise jetzt nur noch eine Erinnerung sein würde. Am Donnerstagmorgen saßen wir dann alle in der Lobby mit gepackten Koffern und tristen Gesichtern. Es war vorbei. Doch obwohl ich diese zwei Wochen wirklich genossen habe und vermissen werde, war ich nicht schlecht gelaunt oder traurig. Im Gegenteil, ich war froh und dankbar, dass ich Teil dieser Erfahrung sein konnte. Nicht nur, dass ich viel über das Studieren in einer fremden Stadt gelernt habe, sondern auch sehr viel über das Zusammenleben mit meinen Mitmenschen. Ich habe gelernt, Kompromisse für andere einzugehen, ich habe gelernt, was es heißt in einer Gruppe zu reisen und vor allem, wie es ist, weit weg von zu Hause zu sein und sich trotzdem wohl zu fühlen. Ehrlich gesagt, glaube ich dass jeder einzelne etwas während dieser Reise gelernt hat und wenn ich mit den anderen Schülern über die vierzehn gemeinsamen Tage in Deutschland rede, so höre ich nur sehr positive Erfahrungen und unvergessliche Momente. Es stellt  sich zum Glück heraus, dass meine Zweifeln zu Beginn dieser Fahrt schlussendlich ganz umsonst waren.

Wir danken Frau Grier, Frau Koole, Frau Olivier und Herrn Dr. Staehle für die Durchführung der Studienfahrt.

Charlotte Elsen, 11a

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